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#Persönlichkeitsentwicklung

Ostern der Persönlichkeit: aufstehen und weitermachen 

Ostern der Persönlichkeit: aufstehen und weitermachen 

Ragnhild Struss

Man muss kein Christ sein, um mit Ostern etwas anfangen zu können. Es ist ein Symbol dafür, dass wir nach Krisen wieder ins Leben finden können, und erinnert uns daran: Jeder hat eine Auferstehungs-Power.
 
Im religiösen Sinne meint die Auferstehung das Leben nach dem Tod. Vom Griechischen anástasis abgleitet, heißt das Wort so viel wie „Aufrichten“. Auf das alltägliche Leben übertragen, geht es um nichts anderes als psychische Widerstandsfähigkeit. Resilienz nennen Psychologen die Stärke, widrige Lebensumstände zu bewältigen und wie Phönix aus der Asche daraus hervorzugehen. Natürlich sind resiliente Menschen nicht immer nur gut drauf – auch sie leiden unter Schicksalsschlägen. Aber sie besinnen sich schneller wieder auf ihre Stärken. 


 
Die Grundvoraussetzung für eine starke Resilienz ist, sich selbst gut zu kennen: Wie gehe ich mit Krisen um? Was rettet mich immer wieder? Heikle Phasen machen deutlich, welche individuellen Eigenschaften und Talente helfen, sie zu meistern.

Je nach Persönlichkeit können das ganz andere sein: 

  • Fürsorgliche Menschen lassen vor allem Situationen verzweifeln, in denen sie einsam sind. Sie sollten sich daran erinnern, dass sie selbst in der schlimmsten Phase immer noch die Fähigkeit besitzen, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Ihr Weg aus der Krise kann z.B. darüber führen, dass sie Anschluss in einer Selbsthilfegruppe suchen, andere um Hilfe bitten oder ein paar Tage bei Freunden übernachten, um sich Trost spenden zu lassen. Rückzug ins eigene Schneckenhaus ist keine Option. Denn Liebesfähigkeit ist ihr Schlüssel aus dem Gefängnis der Aussichtslosigkeit.  
     
  • Enthusiastische Lebenskünstler können sich immer auf ihren Optimismus verlassen. Auch wenn sie es kurzfristig vielleicht vergessen, gehen sie tief in ihrem Inneren davon aus, dass alles für etwas gut ist. Jede Situation – und sei sie noch so furchtbar – wird schon eine Lehre enthalten. Außerdem haben sie das Talent, sich durch Ablenkung selbst aufzumuntern und in Optionen zu denken. Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiter geht es. 
     
  • Starke Bosse sind häufig besonders überrascht und überfordert, wenn sie sich in Lebenskrisen schwach und hilflos fühlen. Aber angezählt heißt nicht ausgeknockt. Schließlich sind sie Kämpfer und können sich auf ihren guten Selbstwert und ihr zähes Wesen besinnen. Beides hat ihnen schon öfter dabei geholfen, sich wie ein Stehaufmännchen zu berappeln. Mut und Kraft lassen sie auf ihrer ganz persönlichen Heldenreise langfristig siegen. Denn sie sind proaktiv und glauben an sich. 
     
  • Hochsensible Individualisten haben es schwer im Durchwandern seelischer Tiefen, weil sie negative Gefühle so intensiv wahrnehmen. Gleichzeitig haben sie durch ihr unglaublich breites und tiefgründiges emotionales Spektrum die großartige Fähigkeit, sich von Abgründen nicht ultimativ abschrecken zu lassen. Sie haben die besondere Gabe, übergeordnete Bedeutung in ihren Nöten zu finden: Die Raupe muss erst sterben, damit der Schmetterling fliegen kann. Nur muss sie sich dafür auch gut versorgen. Deswegen sollten Individualisten auf ihre psychischen und physischen Bedürfnisse achten. 
     
  • Perfektionisten fallen Belastungssituationen oder Misserfolge deshalb so schwer, weil sie das Gefühl von Kontrollverlust erleben. Trotz Chaos in den Lebensumständen können sie sich aber sicher sein: Ihr Organisationstalent geht niemals verloren. Deswegen sollten sie sich in schweren Phasen jeden Morgen von Neuem hinsetzen, um einen Plan zu machen und Struktur in den Alltag zu bringen. Sie können sich darauf verlassen, dass sie durch Gewissenhaftigkeit und Beharrlichkeit wieder Kontrolle über ihr Leben erlangen werden. Das wird über Krisen hinweghelfen.
     
  • Harmoniesuchern kommt es vielleicht vor, als würden sie in schwierigen Lebenssituationen überhaupt keinen Drive mehr entwickeln. Aber das ist kein Grund zum Verzweifeln. Geduld und Anpassungsfähigkeit bringen langfristig Licht am Ende des Tunnels. Dass sich Harmoniesucher nicht so wahnsinnig stressen lassen und im Chaos die Ruhe behalten, ist ein Vorteil, den ihnen niemand nehmen kann. Zuversicht und Vertrauen sind ihre Basis. Von dort aus können sie wieder Verantwortung übernehmen und kleine Schritte gehen.
     
  • Menschen, denen Krisen generell ein bisschen weniger anzuhaben scheinen als anderen, gehören zu den pragmatischen Leistungsmenschen. Sie gehen fest davon aus, dass sie mit ihrer anpackenden, optimistischen Haltung selbst Taten schaffen können. Von Natur aus folgen sie dem Modus: analysieren, Lösungen finden, entscheiden, handeln. Fertig. Achten sollten sie auf die emotionale Seite ihrer Krise. Schließlich wollen die Erlebnisse nicht nur sachlich, sondern auch gefühlsmäßig verarbeitet werden. 
     
  • Eher ängstliche Zweifler, die das Gefühl haben, anfällig zu sein für Katastrophen, können sich trösten: Sie haben die Gabe, Risiken genauer und frühzeitiger zu erkennen als andere. Vorsorglich gehen sie in die Abwehr und entwickeln Methoden, das Problem zu lösen. In Extremsituationen zeigen sie mutige Eigenschaften, setzen ungeahnte Kräfte frei und können sich dazu überwinden, auch unangenehme Dinge zu tun. Wenn sich die Lage wieder beruhigt hat, dürfen sich Zweifler gerne selbst auf die Schulter klopfen, um ihren Erfolg wertzuschätzen, und Zeit zum Auftanken nehmen. Denn das Aufbäumen kostet sie viel Kraft. 
     
  • Probleme aus ganz unterschiedlichen Perspektiven analytisch betrachten zu können, ist die Auferstehungs-Power des logischen Denkers. Mit dieser Distanz, der Fähigkeit, auch in emotional sehr angespannten Situationen einen ruhigen Kopf behalten zu können, kommen sie auf kreative Lösungsideen. Strategische Überlegungen und kühle Szenarien-Planung lassen sie in jedem Labyrinth den richtigen Weg erkennen. Was Denker beachten sollten: Sie müssen auch handeln. Ihre Ideen setzen sich leider nicht von alleine um… Je schneller sie vom Reden ins Tun kommen, umso schneller können sie die Krise hinter sich lassen. 


Die Fähigkeiten unterschiedlicher Persönlichkeitstypen, schwierige Zeiten zu meistern, zeigen, dass dieses Wochenende nicht nur für Christen ein Fest des Trostes, der Hoffnung und Zuversicht ist. Wir alle sollten ihn feiern und festigen: den Glauben an uns selbst. Die Kraft des Wieder-Aufstehens, die größer ist als jede Krise.
 
Frohe Ostern!

Diesen Beitrag hat Ragnhild Struss ursprünglich für den Blog von BeBrilliant verfasst, der Web-App für Persönlichkeitsentwicklung und 360°-Feedback. 

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