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#Nach dem Abi

Ausbildung, Studium, duales Studium: Was passt zu mir?

Ausbildung, Studium oder duales Studium: Was passt zu mir?

Ausbildung, Studium, duales Studium: Was passt zu mir?

Ragnhild Struss

Was soll ich werden? Nach dem Abi stehen viele Jugendliche vor großen Entscheidungen. Mindestens genauso wichtig wie die Frage nach dem „Was“ ist die Frage nach dem „Wie“: Wie komme ich dort hin? In den meisten Fällen gibt es nicht den einen Weg, den man einschlagen muss, um einen bestimmten Beruf zu ergreifen. Ob Ausbildung, Studium oder duales Studium: Jede dieser Optionen bietet Schulabsolventen eine Vielzahl beruflicher Möglichkeiten. Für welche Option man sich entscheidet, sollte in erster Linie von den persönlichen Stärken und Präferenzen abhängig gemacht werden.

Was spricht für eine Ausbildung?  

Die Ausbildung führt Schulabsolventen direkt ins Berufsleben. Ohne theoretische Umschweife geht es gleich um konkrete Aufgaben und Tätigkeiten des Arbeitsalltags. Gleichzeitig sorgt der Unterricht an beruflichen Schulen mit seinen Klausuren und Ferien dafür, dass sich strukturell erst einmal wenig ändert. Das erleichtert vielen Jugendlichen den Übergang von der Schulzeit zur Ausbildung. Im Anschluss gibt es die Möglichkeit, sich weiter zu qualifizieren oder ein Studium aufzunehmen.

Eine Ausbildung passt zu Abiturienten, die sich im Tun entfalten. Der Weg über eine Ausbildung kann zu mehr Selbstsicherheit führen, wenn Jugendliche mit ihrer Vorliebe fürs Praktische in der Schule nicht zum Zuge gekommen sind. Lehrer und Arbeitgeber stellen eine enge Betreuung sicher und geben regelmäßig Rückmeldungen, aus denen Azubis direkt lernen können. Insbesondere für Jugendliche, für die der Schritt an eine Hochschule noch zu groß scheint, ist die Ausbildung ein guter Startpunkt. Sie bietet eine tolle Chance, sich persönlich zu entwickeln und fachlich zu orientieren. Wer damit liebäugelt, vielleicht mal Architektur zu studieren, kann z.B. als Tischler oder Bootsbauer beginnen; wer sich für Osteopathie interessiert, mit einer Ausbildung zum Physiotherapeuten.

Zu wem passt ein klassisches Hochschulstudium?

Das klassische Studium bietet die größte Vielfalt: Die Fächerauswahl ist ebenso breit wie das Spektrum der Hochschulen. Es reicht von großen staatlichen Universitäten bis hin zu kleinen spezialisierten Fachhochschulen und privaten Instituten. Da viele Fächer an mehreren Hochschulen angeboten werden, spielen bei der Entscheidung für ein klassisches Studium auch Aspekte wie der Standort, das Renommee der Hochschule und der Spirit auf dem Campus eine Rolle.

Ein klassisches Studium passt zu Abiturienten, die viele Freiheiten haben möchten. Es eröffnet ihnen die Möglichkeit, eigene Schwerpunkte zu setzen und sich die Zeit z.B. für Urlaubs- oder Auslandssemester selbst einzuteilen. Das verlangt – je nach Hochschultyp und Betreuungsgrad – ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Deswegen eignet sich ein klassisches Studium für Jugendliche, die sich gut organisieren können und schon ein Stück weit selbständig sind. Während Azubis und duale Studierende bereits praktische Erfahrungen sammeln, müssen sich andere Studierende selbst um Praktika kümmern, in denen sie Erlerntes anwenden.

Der modulare Aufbau als Bachelor- und Masterstudium ist international gleich, sodass Studierende im klassischen Modell leicht ins Ausland wechseln können. Auch eine wissenschaftliche Karriere ist möglich. Wer sich also erstmal alle Türen offenhalten will, ist im klassischen Studium richtig.

Wann empfiehlt sich ein duales Studium?

Das duale Studium ist eine deutsche Erfindung und Reaktion auf die Arbeitgeberkritik, vielen Hochschulabsolventen fehle es an praktischen Kenntnissen. Es schließt die Lücke zwischen Theorie und Praxis, indem es Unternehmen in die Ausbildung einbezieht. Studenten sind wechselweise an der Hochschule und im Partnerunternehmen, sodass Wissen gleich angewandt wird.

Wer am besten am konkreten Beispiel und aus eigener Erfahrung lernt, findet im dualen Studium das passende Modell. Die drei Jahre bis zum Bachelor-Abschluss sind zeitlich prall gefüllt: Wenn andere in die Semesterferien gehen, müssen die dual Studierenden zum Arbeiten ins Unternehmen. Deswegen eignet sich die Studienform vor allem für ehrgeizige und zielstrebige Abiturienten, die effizient vorankommen wollen.

Dank hoher Übernahmechancen und guter Jobaussichten steigen Absolventen meist unmittelbar in den Job ein, ohne ein Masterstudium anzuschließen. Loslegen und leiten ist das Motto vieler dualer Studierender. Im Ausland ist das System wenig bekannt. Deswegen spricht es vor allem Bewerber an, die hierzulande eine Laufbahn im mittleren bis gehobenen Management anstreben. Um einen Platz bei einem attraktiven Praxispartner zu ergattern, sollten sich Bewerber eineinhalb Jahre vor dem Abitur darum bemühen – ein weiterer Grund, weshalb insbesondere fokussierte Absolventen diesen Weg einschlagen.

Schriftliche Entscheidungsstützen hinzuziehen

Erkennen Sie sich in einer der Beschreibungen wieder? Bevor Sie sich auf einen Weg festlegen, sollten Sie sich dennoch in jedem Fall eine schriftliche Entscheidungsgrundlage schaffen. Selbst wenn die vielen Freiheiten eines Studiums im ersten Impuls besonders verlockend für Sie klingen, gehen Sie noch einmal in Ruhe in sich: Wann kann ich am besten lernen? Was brauche ich, um in die Gänge zu kommen? Welches Umfeld motiviert mich? Werfen Sie einen Blick zurück auf Ihre Schulzeit oder Praktika. Wenn Sie sich vergegenwärtigen, welche Faktoren Sie bisher besonders beflügelt haben, werden Sie Ihrer Entscheidung näherkommen.

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