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#Bewerbungstipps

Authentizität: Erfolgsfaktor Nr. 1 im Vorstellungsgespräch

Authentizität im Bewerbungsgespräch

Authentizität: Erfolgsfaktor Nr. 1 im Vorstellungsgespräch

Ragnhild Struss

Sie dürfen stolz auf sich sein! Werden Sie zum Interview eingeladen, haben Sie die erste Hürde im Bewerbungsprozess schon genommen und durch Ihre professionellen Unterlagen überzeugt. Die Kompetenz für die Stelle traut man Ihnen zu! Im persönlichen Gespräch geht es nun darum, ob Sie auch wirklich halten, was Ihr Lebenslauf verspricht. Gleichzeitig dient es sowohl dem Unternehmen als auch Ihnen dazu, eine Antwort auf die alles entscheidende Frage zu finden: Passen wir zusammen?

Authentizität als Bewertungsgrundlage

Erfolg im Bewerbungsprozess heißt nicht, irgendeinen Job zu erhalten, sondern den richtigen. Den Job, in dem Sie sich wohlfühlen, beweisen und entwickeln können. Damit Sie ihn finden, müssen Sie Ihre Karten auf den Tisch legen und sich authentisch präsentieren. Nur dann haben Sie und Ihr Gegenüber die Chance, festzustellen, inwiefern die ausgeschriebene Position und Ihre Vorstellungen, die Unternehmenskultur und Ihre Mentalität übereinstimmen. Sie tun sich also keinen Gefallen, wenn Sie sich verbiegen, falsche Erwartungen wecken, sich über oder unter Wert verkaufen. Blenden führt zwangsläufig zu Enttäuschungen und Erklärungsnot. 

Ehrlichkeit schafft Vertrauen

Je mehr Sie bei sich selbst sind, desto besser wird das Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Vorgesetzten sein. Denn um gerne mit Ihnen zusammenarbeiten zu wollen, muss er das Gefühl haben, Ihnen vertrauen zu können. Falsche Versprechungen und antrainierte Rollen stimmen ebenso misstrauisch wie fehlende Nahbarkeit. Das heißt: Man muss Sie greifen können. Wenn Sie den Eindruck, den Ihr Gegenüber von Ihnen gewonnen hat, im Berufsalltag bestätigen, beweisen Sie damit Verlässlichkeit. Die beste Grundlage für eine erfolgreiche Arbeitsbeziehung, in der Sie geschätzt und Verantwortung übertragen bekommen.

Doppelbotschaften und Widersprüche vermeiden

Recruiter sind dank ihrer Ausbildung und Erfahrung geschult darin, einen Bewerber treffsicher einzuschätzen. Als authentisch nehmen sie seine Selbstdarstellung dann wahr, wenn Körpersprache, Gestik, Mimik, Sprache und Inhalt miteinander übereinstimmen. Ergeben sich Abweichungen – zum Beispiel durch eine dominante Haltung bei fachlicher Unsicherheit –, empfängt der Recruiter sogenannte Doppelbotschaften und tendiert in seiner Entscheidung eher zu einem Nein. Wer trotzdem einen Vertrag bekommt, wird nicht als die Person eingestellt, die sie eigentlich ist. Seine Erwartungen im Job stellt der Arbeitgeber dann streng genommen an jemand anderen – nämlich den „Blender“ aus dem Vorstellungsgespräch. Der wiederum muss in jeder Situation neu darüber nachdenken, wie er sich am besten verhalten muss, um nicht aufzufliegen. Und verschwendet wichtige Energie, die für die eigentliche Arbeit fehlt...

Obwohl viele glauben, Anerkennung würde man durch Anpassung erhalten, ist das Gegenteil der Fall: Keine Rolle kann dauerhaft so gut gespielt werden wie Authentizität sich anfühlt.

Echt zu sein, verleiht eine positive Ausstrahlung, die sich durch das Feedback für echte Stärken und Talente noch verstärkt. Authentische Menschen erhalten so das Gefühl, aus eigener Kraft viel erreichen zu können, was ihren Mut und Ehrgeiz sowie ihre Erfolgszuversicht steigert. Eine tolle positive Spirale. Ihre große Überzeugungskraft macht Authentizität daher zum entscheidenden Faktor im Vorstellungsgespräch.

Keine einstudierten Antworten

Jedes Jobinterview enthält Fragen, auf die Sie sich leicht vorbereiten können. Ich rate allerdings davon ab, Antworten auswendig zu lernen. Sich selbst gut zu kennen und beschreiben zu können, gibt Ihnen die Sicherheit, alle Antworten in sich zu tragen. Die Überzeugung kommt dann von innen, nicht vom Aufsagen Ihres Textes. Darauf achten sollten Sie aber, dass Sie an allen Stellen bei den Fakten bzw. der Wahrheit bleiben und im Gespräch keine anderen Angaben machen als in Ihren Unterlagen. Wer präsentiert, was der Wirklichkeit entspricht, braucht keine Angst vor Fallstricken zu haben, sondern kann souverän und selbstbewusst auftreten.

Schwächen sind kein Beinbruch

Sich authentisch zu zeigen, bedeutet auch, zu den eigenen Schwächen zu stehen. Eine ehrlich dargestellte Herausforderung ist weniger ein Hindernis für Ihre Einstellung als ein Pluspunkt: Wenn Sie offen schildern, worin die Herausforderung für Sie besteht und welche Strategie Sie entwickelt haben, um sie zu bewältigen, beweisen Sie die Fähigkeit zur Selbstreflektion und Eigenverantwortung. Eine Stärke, die in der Arbeitswelt von unschätzbarem Wert und viel gefragter als Makellosigkeit ist. 

Wenn Ihr Manko eher in der Art der Präsentation und in Ihrer Nervosität begründet liegt, können Sie dem Recruiter den Wind des Zweifels aus den Segeln nehmen, indem Sie sagen: „Wenn ich aufgeregt bin, neige ich zu Versprechern. Bitte lassen Sie sich davon nicht irritieren.“ Und schon sind Sie – ganz authentisch – wieder Herr bzw. Frau der Lage.

Grenzen der Offenheit

Wie jeder Mensch werden auch Sie Punkte haben, die Sie Ihren zukünftigen Vorgesetzten oder Kollegen nicht im Erstkontakt erzählen wollen. Das ist vollkommen in Ordnung. Authentizität bedeutet schließlich nicht, dass man alles preisgeben muss. Es gibt auch Inhalte, die generell tabu sind, wie z.B. zu ausführlich über den Ex-Arbeitgeber zu sprechen oder Interna der derzeitigen Stelle auszuplaudern. Integrität ist ein wichtiges Argument, wenn es darum geht, jemanden von Ihnen zu überzeugen.

Mit (Selbst-)Kenntnis punkten 

Authentizität alleine reicht aber noch nicht aus. Ein wenig Vorbereitung auf der fachlichen Ebene schützt Sie davor, sich authentisch in die Nesseln zu setzen, wenn Sie zum Beispiel keinerlei Recherche betrieben und wenig zum Unternehmen, seinen Geschäftsfeldern und Aufgaben sagen können. Besonders überzeugend ist es nämlich, wenn Sie sich selbst glaubwürdig in Ihrem zukünftigen Arbeitskontext vorstellen und dies entsprechend transportieren können. Dazu zählen auch Fragen, deren Antworten Sie wirklich interessieren – wie zum Beispiel: Was muss ich tun, um Sie innerhalb der Probezeit von mir zu überzeugen? Die Kombination aus der Auseinandersetzung mit sich selbst und dem Arbeitgeber in spe macht Sie zu einem Bewerber mit besten Aussichten.

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