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Bereit fürs Start-up? Der Gründer-Check in 7 Schritten

Notizheft mit einem gezeichneten Business-Plan

Bereit fürs Start-up? Der Gründer-Check in 7 Schritten

Ragnhild Struss

Nie zuvor war es in Deutschland so angesagt wie heute, mit einem Start-Up die Selbstständigkeit zu wagen. Gründershows im Fernsehen und Crowdfunding-Projekte im Internet machen das Thema einer breiten Masse zugänglich. Viele von uns kennen mindestens eine Person, die sich mit dem Schritt in die Selbstständigkeit einen Herzenswunsch erfüllt hat. Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen fragen: Habe auch ich das Zeug zum Gründer?

Für eine gute Antwort ist vor allem die richtige Perspektive wichtig: Die Frage sollte nicht lauten, ob Sie gründen können, sondern wie. Denn prinzipiell kann jeder zum Gründer werden, der genügend Motivation, Begeisterung und Durchhaltevermögen für seine Geschäftsidee mitbringt. Bevor Sie weiter darüber nachdenken, sollten Sie sich Ihre Beweggründe klarmachen. Fragen Sie sich: Warum will ich ein Unternehmen gründen? „Weil ich viel Geld verdienen möchte“ und „weil mein Angestelltenjob mich nervt“ sind keine hinreichenden Argumente – wichtig ist, dass Sie für die Idee brennen, geradezu in sie verliebt sind. Denn nur mit starker Überzeugung können Sie Durststrecken meistern, die zweifelsohne auftreten werden. Finden Sie mit diesen sieben Punkten heraus, ob Sie zum jetzigen Zeitpunkt für die Selbstständigkeit bereit sind:

1. Persönliche „Gründer-Stärken“ ausfindig machen und Motivation checken

Denken Sie zunächst darüber nach, wie Ihre Stärken Ihnen beim Gründen behilflich sein können. Dazu zählen nicht nur stereotypische „Gründer-Eigenschaften“ wie Ehrgeiz, selbstbewusstes Auftreten oder strategisches Denken. Auch „weiche“ Skills wie Kommunikationsfähigkeit, Empathie und Besonnenheit können Ihnen bei der Selbstständigkeit von Nutzen sein. Jedes Ihrer Talente sollte mit der Frage: „Wie kann ich dieses Talent in der Selbstständigkeit einsetzen und wie kann es mich beim Gründen unterstützen?“ auf Herz und Nieren geprüft werden. Beantworten Sie sich außerdem folgende Fragen, um Ihrer Motivation auf den Grund zu gehen:

  • Was wäre besser, wäre ich selbstständig? Was verspreche ich mir davon?
  • Worauf würde ich verzichten, wenn ich meinen derzeitigen Job aufgebe? Kann bzw. will ich das?
  • Wie passt eine Gründung in meine aktuelle Lebenssituation?

2. Faktencheck: Idee auf Herz und Nieren prüfen

Damit Ihr Start-up erfolgreich wird, sollten Sie Ihre Idee mit möglichst vielen Fakten unterfüttern: Analysieren Sie den Markt, berechnen Sie die Kosten und loten Sie Ihre Chancen aus. Ein Businessplan ist dabei unverzichtbar. Genauso wichtig wie der Check im Außen ist aber auch der im Innen: Eine Gründung ist auf Dauer nur dann erfüllend und erfolgversprechend, wenn die Idee mit Ihnen verbunden ist, Ihren Werten entspricht und Sie mit jeder Faser Ihres Seins dahinterstehen. Fragen Sie sich:

  • Wie sehr liegt mir meine Idee wirklich am Herzen? 
  • Wieviel bin ich bereit, dafür zu investieren – nicht nur materiell?
  • Wie überzeugt bin ich von meiner Idee? Glaube ich wirklich an sie? Würde ich das Geld meiner Freunde in meine eigene Idee investieren?
  • Würde ich meine Familie darum bitten, Geld bei mir anzulegen?

3. Die richtigen Menschen und die passende Arbeitsumgebung finden

Ein erfolgreiches Business hängt nicht nur von einer Person ab, sondern von einem starken Team. Um herauszufinden, wer am besten zu Ihnen passt, müssen Sie zuerst Ihre eigenen Stärken, blinde Flecken und Entwicklungsfelder kennen. Denn schließlich sollen sich Kompetenzen ergänzen. Erstellen Sie eine Mindmap mit Ihren wichtigsten Eigenschaften, Talenten, Interessen und Motiven. So machen Sie sich Ihr eigenes Potenzial bewusst und bekommen Hinweise auf Ihr optimales Arbeitsumfeld. Sie sind ein kommunikativer Mensch? Ein Coworking Space kann Ihnen inspirierenden Austausch mit anderen bieten. Ihnen liegt vor allem, das „big picture“ im Blick zu behalten, aber Kleinkram nervt Sie schnell? Dann holen Sie sich einen Partner mit einem Auge für Details ins Boot.

4. Sich coachen lassen und Kontakte knüpfen

Es hilft in der Startphase ungemein, sich von einem erfahrenen Gründer oder Mentor begleiten zu lassen. Trifft das Know-how eines „alten Hasen“ auf Ihren Tatendrang, kann daraus eine besondere Dynamik entstehen. Außerdem hilft Ihnen ein Profi bei der Einschätzung, wann Sie auf Bestehendes aufbauen können und das Rad nicht neu erfinden müssen. Das maximiert Effizienz. Ihr „Business Coach“ erleichtert Ihnen den Einstieg ins Networking. Gerade zu Beginn zahlt es sich aus, die richtigen Kontakte zu knüpfen und potenzielle Kunden, Geschäftspartner und Kapitalgeber zu überzeugen.

5. Flexibel sein und Verschnaufpausen einlegen

Wenn eines beim Gründen gewiss ist, dann der Überraschungseffekt. Egal, wie gut Sie planen – es werden immer wieder neue, ungeahnte Herausforderungen auftreten. Mal ändert sich Ihr Team, mal der Markt. In der Testphase Ihres Produkts oder Ihrer Dienstleistung ist es wichtig, flexibel auf Kundenbedürfnisse einzugehen und die Ursprungsidee – wenn nötig – anzupassen. Wagen Sie regelmäßig einen Schulterblick und überprüfen Sie die Aktualität Ihrer Ziele. Für die Bewältigung kritischer Phasen und Hindernisse benötigen Sie Kraft. Planen Sie regelmäßig erholsame Zeit für sich ein, um Ihren Akku rechtzeitig wieder aufzuladen.

6. Werbetrommel rühren

Selbst die genialste Idee oder das beste Produkt verkauft sich nur, wenn Ihre Zielgruppe davon Notiz nimmt. Deshalb sollten Marketing- und PR-Maßnahmen fester Bestandteil Ihres Gründungsplans sein. Nutzen Sie Social-Media-Kanäle, um kostengünstig Aufmerksamkeit zu generieren. Doch Vorsicht: Das funktioniert nur mit interessantem Content! Erstellen Sie einen Plan, mit welchen Themen und Inhalten Sie Mehrwert schaffen und die User für Ihr Angebot begeistern können. Website-Gestaltung, Content-Produktion und Suchmaschinenoptimierung zählen nicht zu Ihren Kernkompetenzen? Dann nehmen Sie Hilfe von Freelancern oder Agenturen in Anspruch. Hauptsache, Sie überlegen sich frühzeitig eine Strategie, um Ihr Start-up bekannt zu machen.  

7. Innere Stimme zur Autorität machen

Erfolgreiches Gründen ist nicht allein eine Frage des Talents. Entscheidend ist der Mut, nach draußen zu gehen, sich Kritik zu stellen und zu lernen, welche man annehmen sollte – und welche nicht. Damit Zweifler, Neider und Miesmacher Sie nicht verunsichern, müssen Sie einen guten Draht zu Ihrer inneren Stimme aufbauen. Sie ist die Autorität, auf die es ankommt. Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit zum Innehalten und machen Sie sich immer wieder klar, warum Sie an Ihre Idee glauben und was daran toll ist. Das verleiht Ihnen Sicherheit und Kraft, Ihr Projekt zu verteidigen und weiterzuverfolgen.

Sie sind immer noch begeistert von Ihrer Idee und möchten Ihren Traum vom eigenen Unternehmen verwirklichen? Dann legen Sie los! Wer sich den Sprung ins kalte Wasser (noch) nicht zutraut, kann erst einmal die Wassertemperatur prüfen: Gründen Sie „auf Raten“, schreiben Sie in einem Blog zu Ihrem Thema oder verkaufen Sie Ihre Dienstleistung zunächst an Bekannte. Beginnen Sie mit diesen kleinen Schritten neben Ihrem aktuellen Job, um sich auszuprobieren und erste Selbstständigkeitsluft zu schnuppern. Ob „all in“ oder „step by step“ – ich wünsche Ihnen viel Erfolg im Unternehmertum!

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