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#Nach dem Abi

Die 5 größten Irrtümer bei der Studienwahl

Irrtümer bei der Studienwahl

Die 5 größten Irrtümer bei der Studienwahl

Ragnhild Struss

Fast jeder dritte Student in Deutschland bricht sein Bachelorstudium frühzeitig ab. Ein Problem, das hauptsächlich auf Fehler bei der Studienwahl zurückzuführen ist. Das sind die fünf größten Irrtümer, die Sie bei einer (Neu-) Orientierung unbedingt vermeiden sollten:

Irrtum #1: kommt Zeit, kommt Rat

„Was soll ich studieren?“ Viele Schüler hoffen, irgendwann in der Oberstufe eine Eingebung zu haben. Sie warten auf den Geistesblitz und gehen in der Studienwahl dementsprechend unsystematisch vor. Aber Vorsicht: So kommen Sie nicht weiter. Die Gedanken drehen sich im Kopf und sind immer dieselben. In logischer Konsequenz stellt sich Enttäuschung ein. Das wiederum führt zu Motivationsverlust. Man gerät in eine Abwärtsspirale und rafft sich noch weniger dazu auf, die Zukunft zu planen. Je mehr Fristen ablaufen, desto weniger Wahlmöglichkeiten. Und am Ende muss man das nehmen, was übrigbleibt.

Daher: Vermeiden Sie „Aufschieberitis“ und nehmen Sie den Entscheidungsprozess aktiv in die Hand!

Irrtum #2: von außen nach innen entscheiden

Die meisten gehen bei der Studienentscheidung von außen nach innen vor: Sie orientieren sich am Angebot, an Vorbildern oder NC-Werten – in der Hoffnung, dass irgendetwas davon auch für sie infrage kommt. Das kommt Ihnen bekannt vor? Vorsicht: Vielleicht haben Sie das passende Studium viel zu früh aussortiert. Sei es, weil niemand in Ihrem Bekanntenkreis dieses Fach studiert, weil es nur an wenigen – Ihnen unbekannten – Hochschulen angeboten wird, oder weil die NC-Werte nicht Ihrem Abi-Schnitt entsprechen.

Klüger ist es, das Vorgehen umzukehren: Gehen Sie von Ihrer Persönlichkeit aus und überlegen Sie zuerst, was Ihnen wirklich entspricht. Erst im zweiten Schritt sollten Sie nach Möglichkeiten suchen, wo und wie Sie Ihr Wunschstudium realisieren können. Sie werden überrascht sein, wie viel Sie möglich machen können.

Irrtum #3: immer dem Geld nach

Das höchste zu erwartende Einstiegsgehalt zur Entscheidungsgrundlage für die Studienwahl zu machen, zieht hohe Abbruchquoten nach sich. Nicht jeder ist schließlich dafür gemacht, Ingenieur, Anwalt oder Unternehmensberater zu werden: Neben den Gehaltsvorstellungen sind individuelle Fähigkeiten, das eigene Temperament, persönliche Visionen und Werte weitaus entscheidender, wenn es um die Passung von Studium und Beruf geht. Es ist immer wichtiger, wie man sein Geld verdient, als wie viel man verdient. Außerdem können Sie mit jedem Studium gutes Geld verdienen – vorausgesetzt, Sie sind beruflich am „richtigen Platz“ und setzen Ihre Talente und Stärken ein.

Für Sie heißt das: Schauen Sie im ersten Schritt nicht aufs Geld, sondern auf Ihren Charakter und seine Talente. Das ist der Schlüssel für Ihren Erfolg – auch finanziell.

Irrtum #4: alleine an Interessen orientieren

Ein weiterer Irrtum ist es, ausschließlich nach dem Spaßfaktor zu entscheiden und die Vergangenheit direkt auf die Zukunft zu übertragen. Es ist zwar generell nicht schlecht zu studieren, was einen interessiert. Aber mal ehrlich: Haben Sie schon alles ausprobiert, was Sie interessieren könnte? Vielleicht hätten Sie zum Beispiel Spaß an Technik und haben es bis jetzt nur noch nicht gemerkt, weil Sie Ihren Physiklehrer anstrengend fanden. Oder Sie haben noch nie Zeit dafür aufgebracht, sich mit Politik zu befassen – sind aber ein geborener Redner und haben bei packenden Themen Freude am Diskutieren.

Es lohnt sich also, einen Blick über den Tellerrand zu riskieren und auch weniger offensichtliche Interessensbereiche für Ihr Studium in Betracht zu ziehen. Was würden Sie gerne mal ausprobieren?

Irrtum #5: Erwartungen erfüllen wollen

Der fünfte Irrtum, den wir als Karriereberater bei der Studienwahl unserer Kunden häufig beobachten, ist die Orientierung an den Erwartungen anderer.  Hoffnungen und Befürchtungen des sozialen Umfeldes üben leider einen großen Einfluss aus. Aber nur weil die Eltern Ärzte sind, muss die logische Schlussfolgerung nicht heißen: „Dann kann‘s ja nicht so schlecht sein, werde ich also auch mal Arzt.“ Und nicht jeder elterliche Betrieb muss übernommen werden. Selbstverständlich dürfen Kinder von Ärzten oder Unternehmern in deren Fußstapfen treten. Aber sie sollten es aus freien Stücken und vor allem selbstreflektiert tun.

Mein Tipp: Machen Sie sich selbst zur unabhängigen Entscheidungsinstanz.

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