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#Karriere

Geld gleich Glück? Warum weniger oft mehr ist

Notizbuch mit gezeichnetem Dollarzeichen und Kaffeetasse

Geld gleich Glück? Warum weniger oft mehr ist

Ragnhild Struss

Für viele scheint es das Nonplusultra, Karriere im traditionellen Sinne zu machen, immer weiter aufzusteigen und mehr und mehr Geld zu verdienen. Die Erfüllung materieller Träume verspricht das ultimative Glücksgefühl. Selbstverständlich ist es ein legitimes und in der westlichen Welt positiv besetztes Ziel, viel Geld zu haben. Diese Lebensweise birgt aber auch Schattenseiten – und so ist „höher, weiter, schneller, mehr“ eben nicht mehr für jeden der Arbeitsmodus der Wahl.

Die Last des Hans im Glück

Nicht selten zahlt man für den teuren Lebenswandel einen hohen Preis: Wer sein Geld am liebsten in verlockende neue Habseligkeiten investiert, bedenkt vorher oft nicht die zusätzlichen Kosten, die materielle Dinge mit sich bringen. So wird beispielsweise – dem inneren Traum von lauen Sommerabenden mit Freunden folgend – das Haus mit Garten gekauft, der dann aber kaum genutzt wird, weil die Arbeitsstunden hochgeschraubt werden, um Kredite zu bedienen und Versicherungen zu zahlen. Viele Objekte müssen zudem gepflegt, gereinigt und instandgehalten werden, man muss in Reparaturen investieren oder sich vor Verlusten absichern. Im Hamsterrad der Verpflichtungen gehen für den ein oder anderen Selbstwirksamkeit und persönliches Freiheitsgefühl verloren.

Reich ist, wem es reicht

Natürlich sollte jeder Mensch ausreichend Geld zur Verfügung haben, um seine grundlegenden Bedürfnisse erfüllen zu können. Die Quelle der Unzufriedenheit entspringt jedoch vielmehr einer Aufwärtsspirale der Konsum- und Luxusbedürfnisse, die zu selten hinterfragt wird und oft keine Grenze erreicht. Der Fokus auf die eigentlichen persönlichen Lebensmotive geht verloren. Wäre es nicht schön, dem Diktat von „Mehr ist besser“ zu entkommen? Aus der „Wenn ..., dann ...“-Schleife auszusteigen und das Gefühl von Lebenszufriedenheit im Hier und Jetzt zurückzuerobern? Sich von Besitz zu lösen, statt immer mehr davon anzuhäufen, und die eigenen Ansprüche zu überdenken, kann sich ungemein befreiend anfühlen.

Die Sinnfrage

Letztendlich ist und bleibt eine Währung Mittel zum Zweck der Erfüllung eigener Lebensmotive. Sprich: Der Wunsch nach Geld steht immer für andere Träume und Bedürfnisse. Sie zu kennen, ist Voraussetzung für eine bewusste Job- beziehungsweise Einkommensentscheidung. So lohnt es sich, einen Schritt aus dem beruflichen Alltag zu wagen, um mit klarem Kopf die eigenen Prioritäten zu schärfen:

  • Welche Werte sind in meinem Leben besonders wichtig? Welchen Stellenwert nimmt Geld auf dieser Liste ein? Wofür steht Geld für mich? Ist es Freiheit? Geht es um Macht? Oder Sicherheit? Möchte ich jemanden versorgen? Woran erkenne ich, dass ich genug verdiene, um diesen Motiven nachzukommen? Wie kann ich das Gefühl von Unabhängigkeit, Geborgenheit oder Selbstbewusstsein auf einem anderen Weg als über das Einkommen erreichen?

Eine andere Herangehensweise, die Sinnfrage des Geldverdienens zu beantworten, ist die Beobachtung:

  • Wofür genau verwende ich mein Geld eigentlich? Welche Wünsche erfülle ich mir und warum? Gäbe es ein Einkommen, das ausreichend wäre? Wann hätte ich genug Geld? Um welchen Betrag handelt es sich? Und woher wüsste ich, dass ich dann nicht auch noch mehr wollen würde?

„Wie“ ist wichtiger als „wie viel“

Eines ist sicher: Sobald man seine Grundbedürfnisse mit dem eigenen Einkommen befriedigen kann, ist es wesentlich entscheidender für das eigene Glücksempfinden, wie man sein Geld verdient, als wie viel man davon erhält. Untersuchungen zeigen, dass ab einem jährlichen Bruttoeinkommen von 60.000 € zusätzlicher Verdienst kaum bis gar nicht dazu führt, dass Menschen glücklicher mit ihrem Leben sind. Glück, Freude und Zufriedenheit kann man eben nicht kaufen. Letztendlich sind laut modernder Glücksforschung Aspekte wie bedeutungsvolle Beziehungen, Gesundheit, persönliches Freiheitsempfinden und die Frage, ob man etwas Sinnvolles tut, viel entscheidender, wenn es darum geht, wie sehr jemand sein Leben liebt. Manchmal ist weniger eben doch mehr.

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