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Makes me happy: Wie gute Führung zufriedenstellt

Mitarbeiterführung

Makes me happy: Wie gute Führung zufriedenstellt

Johann Claussen

Die Anforderungen, die Menschen an ihren Job stellen, haben sich in den letzten Jahrzehnten maßgeblich geändert. Ein sicherer Arbeitsplatz und ein angemessenes Gehalt reichen längst nicht mehr aus, um persönliche Berufszufriedenheit zu erlangen.  Mitarbeiter wollen individuell gesehen und geschätzt werden für das, was bzw. wer sie sind. Dieser Anspruch stellt Führungskräfte vor zwei Herausforderungen: Sie müssen sich selbst und ihren eigenen Führungsstil reflektieren und ein profundes Verständnis ihrer Mitarbeiter erlangen. Doch das Investment lohnt sich.

Egal, ob großes oder kleines Team, Konzern oder Start-up: Ein grundlegendes Bedürfnis jeder Belegschaft besteht in der Orientierung. Auf rein struktureller Ebene ist damit für Führungskräfte die Frage verbunden, wie viel Freiraum oder Vorgaben im Einzelfall erforderlich sind, damit sich ein Mitarbeiter wohlfühlt und entfalten kann. Die richtige Mischung zu finden aus einem klaren Rahmen und einem Freifahrtschein, verlangt Fingerspitzengefühl und Ideenreichtum. Neue Meeting-Formate und Raumkonzepte können beispielsweise helfen, Informationsaustausch und Begegnung zu fördern.

Darüber hinaus hat Orientierung eine inhaltliche Komponente, die entscheidend ist für die Mitarbeiterzufriedenheit. Der Trend zur Individualisierung und der Drang nach Neuem führen dazu, dass Mitarbeiter Identifikation und Halt suchen – in der Arbeit und bei der Führungskraft. Für Letzere bedeutet das, weniger in Anweisungen als in Anleitungen zu denken, den Mitarbeiter in seiner Entwicklung zu unterstützen und Vorbild zu sein. Gemeint ist keine „Perfektion“ der Arbeitsprozesse und -aufgaben, sondern vor allem das Vorleben einer offenen Fehlerkultur. Führung heißt: mit Haltung demonstrieren, was menschlich und redlich ist. Und den Austausch darüber suchen.

Kommunikation als Basis gelungener Führung

In Zeiten der Multichannel-Verständigung und ständigen Erreichbarkeit steigt die Begehrlichkeit eines rar gewordenen Guts: Facetime. Mitarbeiter möchten wissen, „was abgeht“, und persönlich informiert werden in klarer bilateraler Kommunikation mit dem Vorgesetzten. Deswegen empfiehlt es sich für Führungskräfte, regelmäßig in den Dialog zu treten, um den Wunsch nach Sichtbarkeit des Einzelnen zu honorieren und ein entscheidendes Gegengewicht zum oftmals hektischen Alltagsfluss zu setzen.

Zeitgemäße Führung ist persönlich

Gesehen zu werden, hat für Mitarbeiter eine hohe Bedeutung. Wenn ihr Vorgesetzter sie als Mensch erkennt, kann sich das individuelle Potenzial entfalten. Das Anerkennen der jeweiligen Bedürfnisse sorgt außerdem dafür, dass sie sich nicht verstellen müssen, sondern ganz sie selbst sein dürfen. Die Individualität des Einzelnen in diesem Maße zu berücksichtigen, ist für Führungskräfte ebenso erstrebenswert wie schwierig. Denn gleichzeitig gilt es, das Team als Ganzes nicht aus den Augen zu verlieren und allen Mitgliedern gegenüber gleichermaßen fair zu agieren.

... und alles beginnt mit aufrichtiger Selbstführung

Für den ein oder anderen klingt es nach überfordernden Bedürfnissen. Wo anfangen?  Indem jede Führungskraft auf sich selbst anwendet, was sie ihren Mitarbeitern zuspricht: zu sein, wie sie ist. Authentische Führung ermöglicht es, gemäß den eigenen Möglichkeiten und Potenzialen zu handeln und die Mitarbeiter anzuleiten. Und darin liegt gewissermaßen eine Erleichterung. Zeitgemäße Führung lässt antrainiertes Rollenverhalten überflüssig werden und setzt darauf,

  • von innen heraus zu steuern – zu allererst sich selbst und dann den Mitarbeiter.
  • aus der inneren Stärke und Sicherheit heraus zu agieren (und ggf. zu reagieren).
  • auf die eigenen Ressourcen statt eine Box an Führungstools zurückzugreifen.
  • vor allem die soziale Kompetenz zu trainieren und zu beweisen.

Wertschätzung als zentraler Bestandteil

Ausdruck findet soziale Kompetenz in der Wertschätzung, die dem Einzelnen zuteilwird. Dazu zählen zum einen, Lob, Anerkennung und Respekt für die erledigten Aufgaben und die Teilhabe am Unternehmensgeschehen und zum anderen auch konstruktives Feedback. Gemeint sind damit Rückmeldungen sowohl auf der inhaltlichen Sachebene als auch auf der Beziehungsebene. Solch unterstützende Feedbackkultur setzt auf beiden Seiten nicht nur Offenheit, sondern auch die nötige Kritikfähigkeit voraus. Hierbei kommt der modernen Führungskraft eine „neue“ und entscheidende Rolle zu. Im Sinne der Führung als Vorbild sind die eigene Öffnung, die Annahme und der Umgang mit Kritik, die von Seiten des Teams geäußert wird, von großer Bedeutung. Die Offenheit für neue Ideen, Lösungen und auch das Hinterfragen von standardisierten Prozessen stärken den Teamgeist, die Motivation und tragen im hohen Maße zur positiven Entwicklung des Unternehmenserfolgs bei. Führen heißt also auch dienen.

Verantwortung abgeben

Wertschätzung ist eng verbunden mit stärkenbasierter Führung, die die Fähigkeiten – nicht die Schwächen – des Mitarbeiters in den Vordergrund stellt. Wer die Aufgaben gemäß des Mitarbeiterpotenzials verteilt, kann auf ihr Gelingen bauen. So ergibt sich aus zeitgemäßer Führung automatisch die Möglichkeit reibungslosen Delegierens. Kontrolle wird durch Vertrauen ersetzt, Verantwortung kann abgegeben werden, ohne das große Ganze aus dem Blick zu verlieren.

Individuelle Wertschätzung, persönliche Anerkennung, eine offene Kommunikation und klare Orientierung stellen zentrale Säulen dar, auf denen Mitarbeiterzufriedenheit ruht. Je intensiver sie durch eine zeitgemäße Führung gefestigt werden, umso vertrauensvoller und erfolgreicher ist die Zusammenarbeit. Eine Win-Win-Situation für Mitarbeiter und Führungskräfte.

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