+
#Karriere

Stress im Job: Ursachen und Bewältigungsmöglichkeiten

Stress im Job

Stress im Job: Ursachen und Bewältigungsmöglichkeiten

Ragnhild Struss

Wer kennt sie nicht: die Phasen im Job, in denen die To-do-Liste ins Endlose zu wachsen scheint, ein Abschluss der Aufgaben in unwägbare Ferne rückt und man sich selbst mehr und mehr unter Druck setzt, die schier unerreichbaren Anforderungen zu erfüllen. Doch Leistungsdruck ist nur eine mögliche Ursache von Stress: Weitere Faktoren können zum Beispiel emotionaler, monetärer oder kognitiver Art sein. Wie Sie herausfinden, welchen Ursprung Ihr Gefühl der Überlastung hat, und wie Sie es loswerden können, beschreibe ich im folgenden Video:

 

Video-Zusammenfassung:

Stress im Job entsteht immer dann, wenn die Anforderungen von außen – egal ob gefühlt oder real –  die eigenen Ressourcen übersteigen. Das kann auf emotionaler, zeitlicher, monetärer oder kognitiver Ebene sein. Diese Diskrepanz führt vor allem dann langfristig zum Problem, wenn man sich nicht genug Zeit nimmt, um die eigene Situation in Ruhe zu analysieren. Denn das ist das Entscheidende: Auch wenn es in Zeiten energetischer Erschöpfung besonders viel Mut und Kraft erfordert, hilft es ungemein, auf die Pause-Taste zu drücken und sich intensiv mit seinen persönlichen Stressoren und Bewältigungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen. Dafür empfehle ich das folgende Vorgehen:

  • #1: Stressoren ermitteln und aufschreiben

Um den Stress abbauen zu können, muss man ihn zunächst verstehen. Nehmen Sie sich trotz Ihres Überforderungsgefühls die nötige Zeit und Ruhe, um in sich zu gehen und Ihre Ist-Situation schriftlich festzuhalten: Was genau löst das Gefühl von Stress in Ihnen aus? Haben Sie zu wenig Zeit für die Aufgaben, die Sie zu erledigen haben? Ist Ihr Weg zur Arbeit schlicht zu lang? Stehen Sie ständig im Stau und sind schon nervlich ausgelaugt, bevor Sie angekommen sind? Oder haben Sie ein persönliches Problem mit Ihrem Umfeld? Ist es Ihr Team, das Sie stresst? Sind es Ihre Vorgesetzten? Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Fähigkeiten nicht ausreichen, um Ihrem Job gerecht zu werden? Oder ist es vielmehr der private Stress, der Sie so kraftlos werden lässt, dass Sie im Job auch nicht mehr richtig Fuß fassen können?

Notieren Sie sich genau, welche Situationen Sie stressen, und welche Gefühle das in Ihnen auslöst. Stress kann ganz unterschiedliche Facetten haben: von einem einfachen Gefühl der Überforderung über Aggressionen bis hin zu körperlichen Beschwerden. Wenn Sie sich Ihre Ist-Situation genau vor Augen geführt haben, können Sie im nächsten Schritt analysieren, inwieweit diese von der Soll-Situation – also von einem erfüllten, gesunden beruflichen Leben – abweicht.

  • #2: Mögliche Lösungen in Betracht ziehen

Sobald Sie Ihre Stressoren schwarz auf weiß erkennen, entsteht für Sie eine ganz neue Realität. Sie geben sich die Möglichkeit zurück, gezielt Methoden und Werkzeuge zu entwickeln, um an Ihrer Situation zu arbeiten. Analysieren Sie: Welchen Hebel der Veränderung sollten Sie bedienen? Müssen Sie Ihr Verhalten ändern? Sollten Sie den Tag zum Beispiel immer mit To-do-Listen starten? Sollten Sie früher zur Arbeit gehen? Sollten Sie länger bleiben? Sollten Sie kürzer bleiben? Möchten Sie vielleicht innerhalb des Unternehmens eine Veränderung in Ihrem Arbeitsvertrag vornehmen?

Oder können sie Ihre Einstellung verändern? Sind Sie zum Beispiel deshalb gestresst, weil Sie sich auf dem Weg zur Arbeit schon die ganze Zeit überlegen, wie blöd Sie das Unternehmen, Ihre Kollegen und Ihre Aufgaben finden – und dass Sie sowieso keine Lust aufs Arbeiten haben? Wenn Ihre Einstellung das Problem ist und Sie in eine Negativspirale befördert, wirkt sich das automatisch auch auf Ihre Produktivität aus. Eine Änderung Ihrer Einstellung kann somit ebenfalls der Schlüssel sein, um Ihr Stresslevel positiv zu beeinflussen.

  • #3: Berufliche Änderungen erwägen

Sollten Sie weder auf der Verhaltens- noch auf der Einstellungsebene keinen Hebel der Veränderung finden, können Sie sich im nächsten Schritt überlegen: Passen Sie überhaupt in Ihren Job? Oder ist Ihr Stresslevel deshalb so hoch, weil es ständig ein Miss-Match zwischen den Jobanforderungen und Ihrem Leistungsvermögen gibt? Wenn Sie feststellen, dass Ihr Job schlicht nicht den passenden Rahmen für Sie bietet, um produktive, gute Ergebnisse zu erzielen, sollten sie gegebenenfalls auch hier Veränderungen erwägen. Das muss nicht heißen, dass Sie das Unternehmen wechseln: Vielleicht finden Sie zum Beispiel innerhalb des Unternehmens eine Position, die besser zu Ihnen passt. Oder es erfordert lediglich eine Anpassung Ihres Vertrags, indem Sie beispielsweise Ihre Arbeitszeit reduzieren und in Teilzeit arbeiten.

Zusammenfassend kann man sagen: Bei all dem Stress, den Sie haben, sollten Sie dennoch die Kraft aufbringen, sich mit der Analyse Ihrer Situation auseinanderzusetzen. Denn wenn Sie zu sehr „im Strudel“ sind, haben Sie nicht die Chance, genug Distanz zum Geschehen einzurichten und zu verstehen, welcher Mechanismus bei Ihnen gerade wirkt. Atmen Sie deshalb als erstes durch und eruieren Sie – entweder alleine oder mit einer Ihnen nahestehenden Person – was genau Sie stresst, um dann dagegen angehen zu können.

+