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#Nach dem Abi

Strukturiert lernen - für mehr Prüfungserfolg

Tipps für effektives Lernen

Strukturiert lernen - für mehr Prüfungserfolg

Team

Obwohl wir uns von Beginn unserer Schulzeit an immer wieder auf Tests, Klausuren und Abschlussprüfungen vorbereiten müssen, stehen viele in intensiven Lernphasen vor den immer selben Problemen: Das Lernen wird auf den letzten Moment vor der Prüfung aufgeschoben, die Zeit ist zu knapp, der Stoff zu umfangreich. Man lernt „auf Lücke“, ist nach einer Reihe von Nachtschichten völlig übermüdet und das Koffein im Kaffee reicht nicht mehr aus, um die Aufmerksamkeit zurückzubringen. Körperliche Poststress-Symptome wie Migräne oder Infekte setzen dem Ganzen die Krone auf. Kurz gesagt: „Last-Minute-Prüfungsvorbereitungen“ tun niemandem gut. Zudem sind sie nicht besonders effektiv: Alles Wissen, das wir in kurzer Zeit und unter Stress in unsere Köpfe zwängen, vergessen wir auch schnell wieder, da es nicht im Langzeitgedächtnis abgespeichert wird. Um nicht immer wieder in dieselbe Falle zu tappen und stattdessen effizient zu lernen, können Sie sich an den folgenden einfachen Grundsätzen orientieren:

Veränderung entsteht im Kopf

Je stärker Ihre innere Abwehrhaltung ist, desto schwerer wird es Ihnen fallen, sich auf Ihre Aufgaben zu konzentrieren. Wandeln Sie daher Ihre passive Einstellung in eine aktive um. Werden Sie sich Ihrer Motivation bewusst: Wenn Sie sich auf eine Prüfung vorbereiten, steht dahinter schließlich meist nicht nur der Wunsch, diese zu bestehen. In der Regel ist das Bestehen einer Prüfung ein kleiner Meilenstein auf dem Weg zu einem größeren Ziel. Wollen Sie zum Beispiel einen guten Schulabschluss erreichen, um für einen bestimmten Studiengang zugelassen zu werden? Oder studieren Sie bereits und möchten eine gute Abschlussnote erreichen, um später einen bestimmten Karriereweg einschlagen zu können? Behalten Sie diese größeren Ziele im Auge. Machen Sie aus dem „Ich muss lernen“ ein „Ich will lernen“!

Feiern Sie Etappensiege

Ist Ihnen das „große Ganze“ zu abstrakt und erscheint Ihnen das Ziel zu weit entfernt, setzen Sie sich beim Lernen kleine Etappenziele. Zusätzlich zu dem Erfolgserlebnis, das sich mit jedem erreichten Etappenziel einstellt, können Sie Ihre Motivation noch weiter steigern, indem Sie sich nach einer bewältigten Aufgabe eine Belohnung in Aussicht stellen. Das kann eine Unternehmung mit Freunden sein, ein gemütlicher Abend mit einem guten Buch oder der Lieblingsserie oder vielleicht die Aussicht, am nächsten Tag lange zu schlafen. So haben Sie eine doppelte Belohnung: Sie können zufrieden mit dem Ergebnis sein und sich Zeit für etwas Schönes nehmen.

Folgen Sie Ihrer inneren Uhr

Auch wenn wir das manchmal gerne so hätten – die menschliche Leistungsfähigkeit ist nicht konstant. Sie sinkt und steigt abhängig von äußeren Umständen und Tageszeiten. Jeder Mensch hat seinen individuellen Biorhythmus. Durchschnittlich liegen die produktiven Hochphasen vormittags zwischen neun und zwölf Uhr und nachmittags zwischen 15 und 18 Uhr. Individuell können sich diese Zeiten nach vorn oder hinten verschieben. Bei den „Eulen“ beginnt die Leistungskurve oft ein paar Stunden später als bei den „Lerchen“, dafür können sie aber meist bis in den späten Abend hinein produktiv arbeiten.

Beobachten Sie Ihre Konzentration über den Tag: Wenn Sie einem geregelten Tagesablauf folgen, können Sie leicht feststellen, wann Sie besonders aufnahmefähig sind. Wenn Sie flexibel in Ihrer Zeiteinteilung sind, dann legen Sie sich längere Pausen oder leichtere Aufgaben in die Phasen, in denen Ihre Leistungskurve gewöhnlich sinkt. Auch ein späterer Tagesbeginn sollte Ihnen kein schlechtes Gewissen bereiten, wenn Sie dafür noch ein paar Stunden am Abend produktiv werden. Seien Sie sich aber grundsätzlich bewusst, dass Ihr Gehirn keine Maschine und seine Aufnahmefähigkeit begrenzt ist. Manchmal ist es effizienter, die Lernzeit etwas zu reduzieren, sich dafür aber mit voller Konzentration dem Lernstoff zu widmen.

Geben Sie Ihren Fokus nicht auf

Je disziplinierter Sie Störfaktoren aus Ihrer Lern- oder Arbeitsumgebung verbannen, desto effektiver arbeiten Sie. Die Aussicht, dass Sie am Abend auf Ihr Tageswerk zurückschauen und erkennen dürfen, dass Sie Ihre Lernzeit sinnvoll genutzt und nicht mit ziellosem Scrollen im Facebook-Newsfeed vergeudet haben, sollte bereits eine kleine Motivation hierfür sein. Optische und akustische Ablenkung lässt sich leicht vermeiden: Auf Ihrem Schreibtisch sollte sich nur das befinden, was Sie zum Lernen und Arbeiten benötigen. Ordnung im Umfeld sorgt auch für Ordnung im Kopf. Pausieren Sie außerdem während der Lernzeiten Ihre private Kommunikation. Was Ihnen vielleicht als große Herausforderung erscheint, ist letztlich nur ein kleiner Knopfdruck: Schalten Sie Ihr Handy aus. Auch am Laptop sollten Sie Ihr privates E-Mail-Programm sowie alle sozialen Kommunikationsportale wie Facebook oder Instagram schließen. Nehmen Sie sich ruhig bewusst Zeit für Ihre private Kommunikation  – aber lassen Sie diese nicht mit Ihren Lernzeiten kollidieren.

Das Gehirn ist ein Gewohnheitstier

Es gibt einen Trick, wie Sie Ihr Gehirn fast wie auf Knopfdruck in den Lernmodus versetzen können: durch Rituale. Wenn Sie zum Lernen regelmäßig den gleichen Ort aufsuchen, verknüpft Ihr Gehirn diese Umgebung mit Konzentration. Sobald Sie sich also an Ihren Schreibtisch oder Ihren Stammplatz in der Bibliothek setzen, wird sich ihr Gehirn nach den ersten paar Lerneinheiten hier wie von selbst in den konzentrierten Lernmodus schalten. Ähnlich unterstützend sind feste Lernzeiten oder das Anhören einer individuellen Lern-Playlist – aber natürlich nur, wenn Sie sich von Musik nicht ablenken lassen.

Höhere Konzentration mit der Pomodoro-Technik

Um Ihren Fokus gezielt auf den Lernstoff zu lenken und Ihr Zeitmanagement zu optimieren, bietet sich die „Pomodoro-Technik“ an: Hierbei wird die Lern- oder Arbeitszeit in kurze produktive Arbeitsphasen eingeteilt, die man in regelmäßigen Abständen durch kleine Pausen unterbricht. Bevor Sie mit dem Lernen beginnen, notieren Sie sich Ihre Aufgaben für den Tag und ordnen Sie sie nach Priorität. Nehmen Sie sich dann ein Etappenziel aus Ihrer To-do-Liste vor und arbeiten Sie innerhalb von 25 Minuten auf dieses Ziel hin – dafür stellen Sie sich am besten einen Timer. Nach 25 Minuten machen Sie eine fünfminütige Pause, die Sie beliebig für sich nutzen. Was Sie in den 25 Minuten nicht geschafft haben, nehmen Sie mit in die nächste Arbeitsphase.

Haken Sie nacheinander alle Etappenziele ab, die Sie erreicht haben. Nach vier Pomodori, also nach zwei Stunden, sollten Sie eine längere Pause von etwa 15 bis 30 Minuten einlegen. Natürlich können Sie die Zeitabschnitte auch individuell kürzer oder länger planen. Wichtig bei der Pomodoro-Technik ist aber, dass die Zeitabstände jeweils gleichmäßig sind und diszipliniert eingehalten werden. Nur so können Sie Ihre eigene Konzentrationsfähigkeit so konditionieren, dass Sie in den Arbeitsphasen gedanklich nicht abschweifen.

Pausen gehören zur Arbeitszeit dazu

Die Aussicht auf eine kleine Pause in absehbarer Zeit, wie es die Pomodoro-Technik vorsieht, erleichtert das konzentrierte Arbeiten enorm. Das Gehirn bekommt so immer wieder die Möglichkeit, neu zugeführtes Wissen abzuspeichern und der Körper kann sich für einen Moment entspannen. Pausen sind somit für ein produktives Arbeiten unverzichtbar. Selbst bei Ausgeschlafenen sinkt nach 90 Minuten konzentrierten Arbeitens die Leistungsfähigkeit – und Müdigkeit setzt ein. Erlauben Sie sich deshalb spätestens nach 60 bis 90 Minuten eine Pause von etwa einer Viertelstunde. Nehmen Sie sich diese Auszeit bewusst. Denken Sie nicht, das sei verschwendete Zeit. Eine lange Pause von mindestens einer Stunde sollten Sie immer nach drei bis maximal vier Stunden einlegen. In dieser Zeit können Sie zum Beispiel in Ruhe etwas essen und sich danach noch kurz erholen, bevor es zurück an den Schreibtisch geht. Hören Sie aber vor allem auf Ihren Körper: Sie wissen am besten, wann Sie erschöpft sind und eine Pause brauchen.

Zeitmanagement ist das A und O

Sie mögen sich jetzt vielleicht fragen, wie sie all die Pausen, ausreichend Schlaf und den Workload unter einen Hut bringen sollen. Ohne Nachtschichten lässt sich der Lernstoff nicht bewältigen? Sie können dem Gefühl der Überforderung kurz vor der Prüfung oder dem Abgabetermin einer Arbeit vorbeugen, wenn Sie sich im Vorfeld einen Lernplan erstellen. Fangen Sie damit an, bevor Sie in Zeitnot geraten: am besten, sobald das Prüfungsdatum oder die Deadline für eine Abgabe feststeht.

Verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über die einzelnen Prüfungsfächer und Inhalte, die Sie sich bis zur Prüfung aneignen müssen. Gehen Sie bei der Planung von Groben ins Feine vor und beginnen Sie damit, Wochenpläne zu erstellen. Planen Sie großzügig bauen Sie zeitliche Puffer ein, damit Sie nicht unter Druck kommen, wenn etwas Unvorhergesehenes mit Ihren Plänen kollidiert. Wenn Sie die detaillierten Inhalte bereits kennen, können Sie auf Tagesebene planen. Am besten unterteilen Sie den Tag in zeitliche Einheiten und erstellen eine Art Stundenplan für jeden Tag. Nehmen Sie bereits feststehende Termine mit auf und notieren Sie sich, wann Sie Vorlesungen, Arbeitsgruppen, aber auch private Termine wie Sport, Einladungen oder Arzttermine wahrnehmen wollen. Die Zeiten, die Sie für das Lernen aufwenden wollen, legen Sie darum herum. Beachten Sie dabei auch Zeiten für Fahrtwege und Pausen. Insgesamt sollten Sie nicht mehr als zwei Drittel des Tages verplanen. So bleiben Sie flexibel, wenn einmal etwas nicht läuft wie geplant und haben Zeit für Einkäufe und Haushalt. Aber auch für solche Dinge können Sie feste Zeiten einplanen.

Wenn Sie sich diszipliniert an Ihren Lernplan halten, wird sich das in vielerlei Hinsicht auszahlen: Sie behalten von Beginn Ihrer Lernzeit an den Überblick, können sich von einem Etappenziel zum nächsten arbeiten und haben dabei sogar noch genügend Zeit für Freizeitaktivitäten. Nicht zuletzt wird sich Ihr strukturiertes Vorgehen auch in Ihren Noten widerspiegeln – und „Mut zur Lücke“ brauchen Sie nicht mehr!

 

Über die Autorin: Anna Clément

Welche Studiengänge machen auch Theoriemuffeln Spaß? Muss man ein Mathe-Ass sein, wenn man Informatiker werden möchte? Mit welchem Studium kann man die Zukunft verändern? Unsere Werkstudentin im Wissensmanagement Anna Clément durchkämmt den Dschungel an Studienmöglichkeiten und trägt daraus die wichtigsten Informationen zusammen. In unseren Fachbeschreibungen porträtiert sie die populärsten oder auch ganz außergewöhnliche Studiengänge.

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