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#Bewerbungstipps

Wie formuliere ich Schwächen im Vorstellungsgespräch?

Schwächen im Vorstellungsgespräch

Wie formuliere ich Schwächen im Vorstellungsgespräch?

Die Frage nach den eigenen Stärken und Schwächen gehört längst zu den Standards eines Bewerbungsgesprächs. Jeder kennt sie, jeder ist auf sie vorbereitet. Und doch gibt es wohl kaum jemanden, der sie ohne Probleme beantworten könnte. Vor allem, wenn es um die eigenen Schattenseiten geht, kommen je nach Persönlichkeitsmuster ganz unterschiedliche Gedanken und Gefühle auf – von Scham bis Schockstarre, von Verdrängung bis Verteidigung. Egal, welcher Typ Sie sind: Es gibt einige Dinge, die Sie beachten können, um bei der Formulierung Ihrer Schwächen zu überzeugen.

Eine Standard-Frage rechtfertigt noch keine Standard-Antwort

Das instinktive Bedürfnis, sich gut zu präsentieren und zu vermarkten, lässt viele Bewerber in die Falle tappen: Anstatt sich im Vorfeld intensiv eigene Gedanken zu machen, lassen sie sich kurzerhand per Google inspirieren, welche Antworten bei Personalern und Arbeitgebern besonders gut ankommen. Auf die „Standard-Frage“ folgt somit meist auch eine Standard-Antwort. Wenn Sie nicht gerade ein begnadeter Schauspieler sind, wird diese Strategie jedoch vermutlich nicht aufgehen. Ihr Gegenüber wird schnell merken, dass Sie Ihre Antwort nur auswendig gelernt haben. Das lässt Sie nicht nur unauthentisch wirken, es mindert auch Ihre Glaubwürdigkeit und Ihre Ausdruckskraft.

Selbstreflexion ist wichtiger als Selbstvermarktung

Machen Sie sich daher zuallererst bewusst: Es geht im Vorstellungsgespräch nicht darum, die „perfekte Antwort“ parat zu haben, mit der Sie sich geschickt verkaufen und möglichst gut darstellen können. Viel wichtiger ist Ihr persönlicher, authentischer Umgang mit der Frage. Betrachten Sie sie daher vor allem als Chance, um Ihre Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit und Fähigkeit zur Selbstreflexion unter Beweis zu stellen.

Jeder Mensch hat Stellschrauben, an denen es sich lohnt, zu drehen. Das gilt für Sie selbst ebenso wie für die Person, die im Bewerbungsgespräch vor Ihnen sitzt und Ihnen diese Frage stellt. Antworten wie „Weiß ich nicht“ oder „Ich habe keine Schwächen“ sind daher ein No-Go. Setzen Sie sich stattdessen im ersten Schritt intensiv und ehrlich mit sich selbst auseinander, um eigene Entwicklungsfelder zu erkennen. Fragen Sie sich zum Beispiel: Was fällt mir manchmal schwerer als anderen? Über welche negative Angewohnheit haben sich meine Freunde oder Familienmitglieder schon mal bei mir beklagt? Wo bin ich zuletzt an meine Grenzen gestoßen?

Konstruktiven Umgang mit Ihren Schwächen üben

Genauso wichtig wie das Reflektieren Ihrer Entwicklungsfelder ist der offene und konstruktive Umgang mit ihnen. Wenn Sie Ihrem Interviewer im Vorstellungsgespräch deutlich machen können, dass Sie Ihre Schwächen nicht nur erkannt, sondern sich auch schon überlegt haben, wie Sie Abhilfe schaffen wollen, dann punkten Sie damit nachhaltig. Sie zeigen Ihrem Gegenüber so schließlich Ihren hohen Anspruch an sich selbst und Ihre große Motivation für den Job.

Mit anschaulichen Geschichten überzeugen

Überlegen Sie sich für jedes Ihrer Entwicklungsfelder ein anschauliches Beispiel aus Ihrem bisherigen Leben: In welchen Situationen sind Sie in der Vergangenheit an Ihre Grenzen gestoßen? Und welche Konsequenzen haben Sie daraus für sich gezogen? Mit kleinen Geschichten über Erfahrungen aus Ihrer Freizeit, vor allem aber auch aus Jobs und Praktika geben Sie Ihrem Gegenüber die Möglichkeit, einen Bezug zu der Situation und damit auch zu Ihnen herstellen zu können. Ihre Glaubwürdigkeit wird dadurch immens gestärkt.

Die richtigen Worte finden: Drei Beispiele für unterschiedliche Persönlichkeitstypen

Nun wissen Sie bereits, welches Ihre persönlichen Stellschrauben sind und wie Sie diese durch Beispiele anschaulich darstellen können. Nun geht es nur noch darum, sie mit den richtigen Worten zu verpacken. Sie müssen – und sollten – keineswegs vollständige Sätze für das Vorstellungsgespräch auswendig lernen, aber es kann Ihnen helfen, sich bereits bestimmte Adjektive oder Wortbausteine zurechtzulegen, die Sie besonders präzise beschreiben. Die folgenden Beispiele sollen veranschaulichen, wie unterschiedlich Persönlichkeiten sein können und wie sich das auch in den Antworten im Vorstellungsgespräch wiederspiegeln sollte:

  • Wenn Sie ein besonders anspruchsvoller Mensch mit klaren Idealen und Moralvorstellungen sind, der sehr detailgenau arbeitet und nach Vollkommenheit strebt, neigen Sie möglicherweise auch zu kritischer Schärfe und Sturheit. Eine mögliche Antwort auf die Frage nach Ihren Schwächen könnte lauten:

„Ich muss mich manchmal selbst bewusst daran erinnern, über Fehler – meine und die anderer – hinwegzusehen und auch mal Fünfe gerade sein zu lassen. Mir wurde schon das eine oder andere Mal gesagt, dass ich sehr kritisch sei. Da das gar nicht meine Absicht ist, habe ich mir angewöhnt, immer zuerst die Erfolge in den Vordergrund zu stellen und lieber positive Verbesserungsvorschläge zu liefern, anstatt negative Kritik zu üben.“

  • Wenn Sie in Ihrem Freundeskreis die gute Seele sind, die immer für andere da ist und sich stets hilfsbereit und verantwortungsvoll zeigt, liegt eines Ihrer Entwicklungsfelder möglicherweise darin, dass Sie sich für Ihr Umfeld regelrecht „aufopfern“ und schwer Konflikte aushalten können. Für Sie würde sich als Antwort beispielsweise anbieten:

„Die Kehrseite meiner Hilfsbereitschaft ist, dass ich mich zuweilen schlecht abgrenzen oder „Nein“ sagen kann. Da mir Harmonie sehr wichtig ist, versuche ich stets, Streit zu vermeiden. Tritt dann doch eine Auseinandersetzung auf, habe ich die Tendenz, sehr lange darüber nachzudenken. Mir wurde leider schon das eine oder andere Mal gesagt, dass ich die Dinge zu nah an mich heranlasse. Daher habe ich mir zwei Dinge angewöhnt: Erstens versuche ich, Sach- und Personenebene innerlich bewusst voneinander zu trennen. So fällt es mir nicht nur leichter, mit Kritik umzugehen, sondern auch, ehrliches – und wenn es sein muss unangenehmes – Feedback zu geben. Zweitens halte ich immer kurz inne, wenn mich jemand um einen Gefallen bittet, um nicht sofort „Ja“ zu sagen, sondern unter Abwägung meiner eigenen Belange eine ehrliche Antwort zu geben.“

  • Sind Sie ein unabhängiger, starker und unternehmungslustiger Mensch, der belastbarer ist als andere und besonders gut überzeugen kann, dann neigen Sie manchmal vielleicht auch dazu, andere zu dominieren und einzuschüchtern. Sie könnten Ihre Entwicklungsfelder zum Beispiel wie folgt in Worte fassen:

„Durch meine direkte und entschlossene Art passiert es mir manchmal, dass ich impulsiv reagiere und härter auf andere wirke, als ich es selber möchte. Ich habe mir deshalb angewöhnt, erst einmal Einschätzungen anderer Leute einzuholen, bevor ich eine Entscheidung fälle. Außerdem übe ich mich in Meetings in Geduld, indem ich meine Gedanken schriftlich formuliere, bevor ich sie ausspreche. So kann ich mich davor schützen, in meiner Wortwahl zu heftig zu wirken.“

„Welche Schwächen kann ich im Bewerbungsgespräch nennen, welche lieber nicht?“

Viele Bewerber zerbrechen sich den Kopf darüber, welche Schwächen sie im Vorstellungsgespräch nennen können und welche sie gegebenenfalls ins Aus befördern könnten. Natürlich sollten Sie sich darüber bewusst sein, dass Ihre Antwort Auswirkungen auf Ihre Chancen für den Job haben kann und Ihre Entwicklungsfelder daher bestenfalls so formulieren, dass damit keine Einschränkungen für die betreffende Stelle einhergehen.

Dennoch sollten Sie sich nicht dazu verleiten lassen, sich im Bewerbungsgespräch stark zu verstellen oder wesentliche Charakterzüge zu verbergen. Nutzen Sie stattdessen den Prozess der Selbstreflexion auch zur kritischen Prüfung, ob der Job wirklich zu Ihnen passt und Ihren Stärken und Talenten entspricht. Wenn Sie im Vorstellungsgespräch bereits das Gefühl haben, nicht Sie selbst sein zu können, sollten Sie die Bewerbung gegebenenfalls noch einmal überdenken und sich nach einer anderen Stelle umschauen.

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